Luftkollektoren für Heumilch aus dem Bayerischen Wald

Der landwirtschaftliche Familienbetrieb Mühlbauer im Bayerischen Wald vollzog in 2016 den Wandel zur Heumilchproduktion und installierte in diesem Zuge eine von Luftkollektoren beheizte Trocknungsanlage. Ziel war nicht nur die Existenzsicherung, sondern auch die Verbesserung der Haltungsbedingungen für die Kühe. Natürliches, kräuterreiches Heu fördert die Gesundheit der Tiere, die deshalb mehr Milch von sehr hoher Qualität liefern, die reich an Omega-3 Fettsäuren ist.

Die jährlich rund 360 t Qualitätsheu (Trockengut) für die 70 Milchkühe werden auf 30 ha Grünland gewonnen. Je nach Jahreswetterlage werden bis zu vier Schnitte pro Jahr nach ein- bis zweitägiger Vortrocknung auf dem Feld in der neuen Heutrocknungsanlage verarbeitet. Die erforderliche Trockensubstanz zur Lagerung des Heus liegt bei mindestens 87 %, um eine Keimbildung zu verhindern. Die zur Trocknung erforderliche Wärmemenge liefert primär eine 360 m² große Luftkollektoranlage der Firma GRAMMER Solar.

Bei ausreichend Solarstrahlung saugen Ventilatoren die Umgebungsluft durch die Luftkollektoren, wodurch sich diese erwärmt und die relative Feuchte sinkt. Reicht die Solarstrahlung auf die 20 ° geneigte und 10 ° nach Westen ausgerichtete Kollektorfläche für die Erwärmung der 10.000 bis 35.000 m³/h Trocknungsluft auf die Solltemperatur von 50 °C nicht aus, wird ein Hackgut-Nachheizregister hinzugeschaltet. Im Notfall kann zusätzlich ein Luftentfeuchter eingesetzt werden, um Schimmel- und Keimbildung im Heu zu verhindern.

Trocknung von Schüttgut mit Luftkollektoren [Quelle: GRAMMER Solar]
Dadurch dass die Solaranlage nicht nur zur Heutrocknung (Wärmebedarf von ca. 120 MWh/a), sondern auch zur Trocknung der betriebseigenen Holzhackschnitzel (ca. 125 MWh/a) und anderer landwirtschaftlicher Güter (ca. 105 MWh/a) verwendet wird, ist ein hoher spezifischer Solarertrag von 675 kWh/m²a bei einer solaren Deckungsrate von knapp 70 % an den Trocknungsprozessen erreichbar. Den Großteil des Strombedarfs für die solare Prozesswärmeanlage stellt darüber hinaus eine Photovoltaikanlage bereit. Somit sind die Betriebskosten für das Familienunternehmen sehr gering und langfristig planbar.

Durch den hohen Solarertrag und die geringen Investitionskosten von rund 65.000 € einschließlich Prozessanbindung und Förderung werden mit der Solaranlage sehr niedrige Wärmegestehungskosten von rund 20 €/MWh erreicht. Somit ist die Anlage auch wirtschaftlich sehr attraktiv.

Mit der solaren Prozesswärmeanlage leistet der Familienbetrieb einen anerkennenswerten Beitrag für die Energiewende. Durch die Bewirtschaftung von Kräuter- und Blumenwiesen statt dem großflächigen Anbau von Mais wird außerdem der Erhalt der Kulturlandschaft unterstützt. Verglichen mit der Produktion von konventioneller Milch erzielt der Betrieb mit seiner Heumilch darüber hinaus höhere Einnahmen je Liter, was ein zusätzlicher wirtschaftlicher Vorteil ist.