Markt

Trotz der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und einer derzeit sehr guten Förderung für Solaranlagen zur Bereitstellung von Prozesswärme entwickelte sich der Markt in den vergangenen Jahren sehr langsam, wobei in 2018 ein deutlicher Aufschwung in Bezug auf die geförderten und in Umsetzung befindlichen Anlagen zu verzeichnen war. Informieren Sie sich hier über die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten und werfen Sie einen Blick auf aktuelle Zahlen zum Markt in Deutschland.


Anwendungen

Die solarthermische Wärmebereitstellung für Prozesse und Anwendungen im industriellen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Bereich hat meist den Vorteil, dass auch in den Sommermonaten ein signifikanter Anteil an Wärme benötigt wird. Dadurch kann die Solaranlage auch in Monaten mit hoher Einstrahlung kontinuierlich Wärme bereitstellen, wodurch sich die Nutzungsgrade der Anlagen und damit auch deren Wirtschaftlichkeit erhöhen.

Die Einsatzmöglichkeiten solarer Prozesswärme sind sehr vielfältig. Das Spektrum kann unterschiedlichste, teils auch kombinierte Anwendung beinhalten, deren Systemkonzepte und Temperaturanforderungen unterschiedlich komplex sein können. Mögliche Anwendungen sind:

  • Bereitstellung von Warmwasser
  • Einspeisung in Nah- oder Fernwärmenetz
  • Einspeisung in betriebliche Warm- oder Heißwassernetze
  • Direkte solare Beheizung einer oder mehrerer Prozesse
  • Raumheizungsunterstützung in Industrie, GHD und Landwirtschaft

Marktübersicht Deutschland

Im August 2012 wurde erstmals eine explizite Förderung solarer Prozesswärme im Marktanreizprogramm mit einem Zuschuss von bis zu 50 % der Gesamtinvestitionskosten aufgenommen. Vor allem in den ersten beiden Jahren nach dieser Neuerung konnte ein stetiges Marktwachstum verzeichnet werden. So konnten im Zeitraum 2013 bis Ende 2018 rund 280 Anlagen mit insgesamt ca. 20.000 m² realisiert werden. Weitere 38 Anlagen mit 8.415 m² waren zum Jahreswechsel bewilligt und befinden sich in der Umsetzung.

Die folgende Abbildung zeigt die geförderte Kollektorfläche der Jahre 2013 bis 2018 aufgeteilt nach dem verwendeten Kollektortyp sowie die Fläche derjenigen Anlagen, die zum 31.12.2018 noch nicht gefördert, aber bewilligt und in der Umsetzung waren.

Übersicht über die zwischen 2013 und 2018 geförderten solaren Prozesswärmeanlagen sowie über die Ende 2018 in Umsetzung befindlichen Anlagen

Durch die seit August 2012 verlässlichen Förderbedingungen im Bereich der solaren Prozesswärme konnte sich trotz der durch den Ölpreisverfall bedingten schwachen Marktentwicklung von 2016 bis einschließlich 2017 ein wieder steigender Markt mit mehreren spezialisierten Planungs- und Installationsunternehmen entwickeln, die erfolgreich Anlagen projektieren und umsetzen.

Zu Beginn der Förderung, also von 2012 bis 2015, konzentrierten sich die Solaranlagen eher auf einfache Systeme im Bereich von 20..40 m² in kleineren Gewerbebetrieben, Familienunternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben. Diese bieten in Punkto Planungshorizont, Amortisationserwartung und Energiekosten meist bessere Rahmenbedingungen für die Investition in regenerative Wärmeerzeuger. Fokus in dieser Zeit war das Erschließen der sogenannten Low Hanging Fruits, wie bspw. die Realisierung von solaren Prozesswärmeanlagen zur PKW-Reinigung, Ferkelaufzucht und Biomassetrocknung. Mittlerweile werden auch immer häufiger komplexe Anlagen beispielsweise im Bereich der Bitumenverarbeitung, Oberflächenveredelung oder der Erdgasversorgung realisiert. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die Anwendungsfelder der in Deutschland realisierten solaren Prozesswärmeanlagen.

Aufteilung der Anwendungen solarer Prozesswärme auf Basis der installierten und in Umsetzung befindlichen Kollektorfläche von insgesamt knapp 33.000 m²

Mit der Zeit konnte neben der Erschließung komplexerer Anwendungsfälle auch eine Tendenz zu wachsenden Anlagengrößen verzeichnet werden, wodurch die mittlere Anlagengröße bereits auf knapp 90 m² gestiegen ist. Auch gibt es bereits fünf Anlagen mit Kollektorflächen im Bereich von 1.000 m² bis 3.000 m², die teilweise bereits im Betrieb, oder aber in der Umsetzung sind. Diese steigenden Anlagengrößen werden perspektivisch auch zum Erreichen der erforderlichen Kostensenkungspotentiale beitragen.